16. Dezember 2016 • News

Diskriminierung stoppen: Das kannst du tun

#positivzusammenleben, Welt-Aids-Tag, Diskriminierung, Solidarität

Diskriminierung fängt im Kleinen an - mit dummen Sprüchen und Hänseleien. Das Schweigen zu brechen ist der wichtigste Schritt. Ein klares „Bei so etwas mache ich nicht mit!“ reicht oft schon völlig aus.

Leider sind wir oft sprachlos, wenn jemand diskriminierende Dinge sagt – vor allem, wenn es der Fußballfreund oder jemand aus der Familie tut. Als kleine Hilfe haben wir Fakten und Argumente gesammelt, mit denen man weit verbreitete Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV entkräften kann. Für mehr Respekt und #positivzusammenleben.

„Nur Schlampen stecken sich mit HIV an. Wer weiß, mit wem die schon alles im Bett war …“

Diese Einstellung ist leider weit verbreitet und gleich doppelt diskriminierend. Sie unterstellt Frauen mit HIV ein zügelloses Sexualleben und wertet dazu noch alle Frauen als „Schlampen“ ab, die ihre Sexualität offen ausleben. Dass eine Frau HIV-positiv ist, sagt zum einen absolut nichts über ihren Lebenswandel aus, außer, dass sie wahrscheinlich schon einmal Sex hatte. Sie kann sich genauso in einer festen Beziehung angesteckt haben wie bei einem One-Night-Stand oder in einer Affäre. Und mal ganz ehrlich: Eigentlich geht das niemanden etwas an. Und zweitens: Warum gilt eine Frau, die viele Männer hatte, eigentlich immer noch als Schlampe? Wäre sie ein Mann, wäre sie ein toller Hecht. Das sollte uns zu denken geben.  

„Kein Wunder, dass Schwule HIV haben. Die vögeln ja alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.“

Auch hier gleich wieder zwei Vorurteile auf einmal. Es stimmt: Schwule und  bisexuelle Männer sind häufiger von HIV betroffen. Das heißt aber noch lange nicht, dass jeder Schwule HIV-positiv ist. Zum Vorurteil des allzeit sexbereiten Schwulen sagen wir: Wie andere Menschen ihr Sexualleben gestalten, das geht bis auf den Partner niemanden etwas an. Nur so viel: Schwule und bisexuelle Männer sind diesbezüglich genauso verschieden wie Heteros.

„Wer HIV hat, ist ständig krank. Wer will so jemanden schon zum Kollegen haben …“

Der ständig kranke Kollege mit HIV, dessen Arbeit an allen anderen hängen bleibt, hält sich hartnäckig als Vorurteil. Zeit das zu ändern, denn Studien zeigen, dass Menschen mit HIV nicht öfter krank sind als andere Arbeitnehmer. Sie sind genauso belastbar wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen auch. Eine HIV-Infektion hindert heute niemanden daran, einen guten Job zu machen. Vorurteile schon.

„Was? Du hattest ein Date mit dem? Der ist doch HIV-positiv!“

Die Vorstellung, dass man mit HIV-Positiven besser kein Date haben sollte – von Sex ganz zu schweigen – ist weit verbreitet. Die Angst sich anzustecken ist bei vielen Menschen immer noch groß. Das ist verständlich, aber zum Glück ist diese Angst unnötig. Kondome schützen vor HIV. Und wenn der oder die HIV-Positive Medikamente nimmt und die Therapie gut greift, dann wird das HI-Virus beim Sex nicht übertragen. Mit anderen Worten: Sicherer geht’s nicht! Ganz unabhängig vom Ansteckungsrisiko: Eine so private Information über jemanden auszuplaudern ist total daneben. Zumal man nicht wissen kann, ob sie überhaupt stimmt.

„Kein Wunder, dass XY HIV hat. Alkohol, Drogen, Sex: Wohin sonst soll so ein Leben im Exzess auch führen?“

Ein unfaires Vorurteil. Denn in ihm schwingt mit: Wer so lebt, ist selbst schuld. Wir finden: Niemandem steht es zu über das Sexleben von anderen zu urteilen. Auch nicht darüber, warum es einem Menschen nicht gelungen ist, sich zu schützen. Hand aufs Herz: Wem ist es nicht schon einmal passiert, dass er oder sie im entscheidenden Moment dann doch mal kein Kondom benutzt hat? Anders formuliert: Wer hat schon sein Leben immer komplett im Griff?

„Nur weil XY kein Gummi benutzt hat, muss die Solidargemeinschaft jetzt für die teure Behandlung zahlen.“

In Deutschland wird niemand hängen gelassen, der krank ist. Egal ob sich jemand beim Fußball das Knie verdreht hat, jemand einen Herzinfarkt bekommt, weil sie oder er zu viel gearbeitet hat oder eben weil jemand HIV-positiv ist. In Deutschland bekommt jeder die medizinische Hilfe, die sie oder er braucht – unabhängig von den Ursachen. Wir finden, das ist eine große Errungenschaft der Gesellschaft.