Christoph: „Ich will ein ,positives‘ Beispiel geben!“

Nach einem Zusammenbruch erhielt Christoph seine HIV-Diagnose, kam aber schnell wieder auf die Beine. Heute will er, dass alle wissen: „Mit HIV kann ich leben!“

Christoph war erst 19, als er von seiner HIV-Infektion erfuhr. Mit einer ungewöhnlich hartnäckigen Mandelentzündung landete er im Krankenhaus und kollabierte dort – ungewöhnlich heftige Folgen einer frischen HIV-Infektion, wie sich herausstellte.

Obwohl Christoph sage und schreibe 60 Kilo verloren hatte, ging es nach der Diagnose schnell wieder aufwärts. Heute merkt man dem lebenslustigen jungen Mann mit dem offenen Lachen nicht mehr an, dass er damals tatsächlich dem Tode nah war. 

Der 31-jährige, vor kurzem von Braunschweig nach Berlin gezogen, arbeitet als Verwaltungsangestellter in einer Bundesbehörde. Privat ist er gerne mit Freunden unterwegs – immer unter Leuten, immer in Aktion, immer einen Spruch auf den Lippen. 

Und er engagiert sich in der HIV-Selbsthilfe – vor allem, um anderen den Umgang mit ihrer Infektion zu erleichtern. Als „Buddy“ begleitet er zum Beispiel Menschen, die gerade erst ihre HIV-Diagnose erhalten haben, bei den ersten Schritten.

Bei regelmäßigen Positiventreffen schöpft Christoph auch Kraft für den öffentlichen Umgang mit seiner Infektion. Denn eines ist ihm wichtig: Alle sollen wissen, dass das Leben mit HIV sich verändert hat: 

„Viele denken noch, HIV-Positive sind alle abgemagert, müssen 20 Tabletten am Tag nehmen und sterben demnächst – wie Tom Hanks in ,Philadelphia‘. Das hilft weder Positiven noch Negativen“, sagt Christoph im Interview für #positivzusammenleben.

Denn eines ist klar: Zu dramatische Bilder machen Angst – und die ist nie ein guter Ratgeber. Sie kann sogar dazu führen, dass Menschen ihr HIV-Risiko verdrängen, nicht zum Test gehen und damit auch keine Behandlung erhalten.

Für Christoph ist klar: Da helfen nur Aufklärung und „positive“ Beispiele. Deswegen lebt er in allen Lebensbereichen offen HIV-positiv. 

Die Reaktionen sind überwiegend unterstützend. Doch manche Menschen sind auch verunsichert, gehen auf Abstand. 

 

Informationen zur HIV-Therapie

Seit 1996 gibt es hochwirksame Behandlungsmöglichkeiten gegen HIV: Mehrere Medikamente werden zusammen eingesetzt, sodass sich die Viren im Körper nicht mehr vermehren können.

Wenn eine HIV-Infektion rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird, kommt es nicht mehr zur lebensbedrohlichen Krankheit AIDS – man kann dauerhaft mit HIV leben.

Außerdem sind bei einer wirksamen Therapie nur noch so wenige Viren im Körper, dass HIV selbst beim Sex ohne Kondom nicht übertragen wird.

Mittlerweile stehen mehr als 30 Substanzen zur Verfügung. Die HIV-Therapie ist dabei immer einfacher, effektiver und verträglicher geworden: Oft reicht eine Pille pro Tag, die eine komplette Medikamentenkombination enthält. Die meisten HIV- Patientinnen und -Patienten spüren keine oder nur leichte Nebenwirkungen. Die Therapie beeinträchtigt ihr Alltagsleben also kaum.

Trotzdem bleibt die HIV-Infektion eine gewisse Belastung für den Organismus, unter anderem, weil sie eine chronische Entzündungsreaktion im Körper hervorruft. So steigt beispielsweise das Risiko einiger Tumorerkrankungen. Auch die Medikamente können den Körper auf Dauer schädigen, etwa indem sie die Nieren belasten oder die Cholesterinwerte erhöhen. Folgeschäden lassen sich durch gute ärztliche Betreuung und rechtzeitigen Wechsel zu anderen Präparaten aber in der Regel vermeiden.